Das Attribut mehr-als-menschlich wurde bereits 1996 vom US-amerikanischen Umweltphilosophen David Abram verwendet. Weitere direkte oder indirekte Vertreter:innen, die sich auf den Begriff beziehen, sind die Umweltfeministin Donna Haraway, die Evolutionsbiologin Lynn Margulis, der Erdsystemforscher James E. Lovelock, der Soziologe und Philosoph Bruno Latour und andere.
Die Gemeinsamkeit dieser und anderer Geistes- und Naturwissenschaftler:innen besteht darin, zusammen zu denken, was ohnehin zusammengehört: Lynn Margulis etwa stützt sich auf die grundlegende Konstante allen Lebens auf der Erde seit Anbeginn der Evolution, dass so unterschiedliche Arten wie Bakterien und Menschen bis in ihre Zellkerne hinein miteinander verwandt sind. Zusammen mit ihrem britischen Kollegen James E. Lovelock gilt sie als Mitbegründerin der naturwissenschaftlich begründeten (nicht-esoterischen) Gaia-Hypothese.
Die Gaia-Hypothese hat zur Kernaussage, dass das gesamte Biom der Erde (einschließlich ihrer Atmosphäre) ein stets nach Balance strebendes Gesamtlebewesen ist. Der anthropogene Klimawandel, dessen Folgen in ganz Europa und weltweit alle Grenzen überschreitet und für immer neue Katastrophenmeldungen sorgt, macht sich an der Krivaja natürlich genauso bemerkbar. Bricht man die universelle Gaia-These und die empirischen Folgen des anthropogenen Klimawandels auf ein kleineres, landschaftsbasiertes Gefüge herunter, dann bedeutet es nichts anderes, als das Zusammenspiel aller Arten im Gefüge zumindest einzubeziehen – und die globalen Verflechtungen zu berücksichtigen.
Die Menschen an der Krivaja leben seit Menschengedenken mit der Krivaja: einem naturbelassenen Wildfluss, gleichzeitig einer der letzten Refugien seltener Arten. Bis in jüngster Zeit haben mehr-als-menschliche Beziehungen in der Südosteuropa-Forschung kaum Aufmerksamkeit geweckt. Doch seit den mittleren 2000er Jahren ist dieses wie andere Refugien in Südosteuropa durch extraktive Projekte existenziell bedroht. Die Bedrohung wird vordergründig und gleichzeitig als Bedrohung für die Menschen an der Krivaja wahrgenommen.
Nachdem der geplante Bau von acht Staudämmen an der Krivaja erfolgreich abgewehrt werden konnte, bedroht heute der geplante Chromabbau an den Zuflüssen Tribija und Duboštica, den Mittel- und Unterlauf des Flusses zu zerstören. Initiativen wie „Krivaja heißt Leben“ (Krivaja je život) stellen sich dem Wirken intransparenter Vergabeprozesse und den Interessen beteiligter Global Players entgegen. Sie schaffen es auch, Teile der Diaspora zu mobilisieren, in der heute ein großer Teil der Bevölkerung des Tals und ihrer Kinder lebt.
Referenzen (Auswahl)
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