Open Science Policy

Die folgenden Punkte orientieren sich an etablierten Leitsätzen offener Wissenschaft. Die Open Science Policy soll einen offenen, fairen und sicheren Umgang mit geteiltem Wissen gewährleisten.

Grundprinzipien von Open Science

Transparenz, Reproduzierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Offene Kommunikation gelten als Grundprinzipien von Open Science. Sich zu Open Science zu bekennen, bedeutet, künstlicher Verknappung von Wissen (z.B. durch kommerzielle Paywalls) frei zugängliche Alternativen entgegenzusetzen. Meistens wird noch genauer nach sechs Prinzipien unterschieden, wie zum Beispiel auf der Website der Universität Konstanz:

  1. Open Access: unbeschränkter und kostenloser Zugang zu wissenschaftlicher Information.
  2. Open Educational Resources: Freie und offene Materialien für Bildung und in der universitären Lehre erstellen und verwenden.
  3. Open Data: Gesammelte, erstellte, berechnete und aggregierte Daten frei zur Verfügung stellen.
  4. Open Source: Quelloffene Technologie (Soft- und Hardware) verwenden und eigene Technologie öffnen.
  5. Open Peer Review: Transparente und nachvollziehbare Qualitätssicherung durch offene Peer-Review-Verfahren.
  6. Open Methodology: Die angewandten Methoden sowie den gesamten Prozess dahinter dokumentieren, sowei praktikabel und elevant.
Geistiges Eigentum und kollaborative Wissenschaft

Ideen und Wissen sollen entsprechend der Grundprinzipien von Open Science frei verfügbar sein. Andererseits haben viele Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen einen starken „Sense of Ownership“ entwickelt: Mein Thema, meine Recherche, meine Forschungsgeographie, meine Kontakte. Wissenschaft ist aber sowohl auf originale Ideen einzelner Köpfe, als auch auf Zusammenarbeit und Austausch angewiesen. Weil Ideen aber durchaus „geklaut“ und sogar über konkurrierende Forschungsfinanzierung angeeignet werden können, ist das Verhältnis von Offenheit und geistigem Eigentum alles andere als konfliktfrei.

Dazu kommen weitere Ungleichheitsverhältnisse zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsstandorten: Westliche Wissenschaftslandschaften sind oft besser ausgestattet mit Fördermöglichkeiten, aber auch mit symbolischem und sozialem Kapital. Zu letzterem gehören Prestige, einflussreiche Netzwerke, Sprachkenntnisse. Wenn in und über Gebiete wie Südosteuropa geforscht wird, verfügen einheimische Forscher:innen zwar oft über direktere Wissenszugänge und Wissensvorsprünge; sie kämpfen aber oft auch mit strukturellen Benachteiligungen, geringerem Prestige, schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten oder verringerter Sichtbarkeit im internationalen Wissenschaftsbetrieb.

Auch Sprachgrenzen erweisen sich manchmal als Barrieren innerhalb ungleicher Machtverhältnisse. Nicht jeder originale Gedanke artikuliert sich auf Englisch, der internationalen lingua franca des Wissenschaftsbetriebs. Noch viel mehr kann das für die nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit gelten, die ein direktes Interesse an den Ergebnissen der Forschung haben kann und über Übersetzungssoftware teilweise nur zu verzerrten Ergebnissen gelangen kann.

Folgende Fragen sollten in diesem Forschungsprojekt von den Beteiligten als Selbstverpflichtung beachtet werden:

  • Wer hat welchen Beitrag geleistet?
  • Wer steht ursprünglich hinter einer Idee, die aufgenommen wird?
  • Wie ist damit umzugehen, wenn zwei oder mehrere Personen unabhängig voneinander am gleichen Thema arbeiten?
  • Welche Rolle spielen lebensgeschichtliche Erfahrungen, intrinsische und extrinsische Motivation bei der Forschung?
  • In welchem (Macht-)Verhältnis stehen nicht-lokale zu lokalen Forschenden?

Auf diese Fragen ist in jedem Fall eine eigene Antwort zu finden. Folgende Prinzipien sollten Selbstverpflichtung sein:

  • Offenheit für die Leistungen und Beiträge anderer,
  • Reflexion der eigenen Rolle,
  • Bereitschaft zu Kooperation und Austausch,
  • Fairness durch Nennung wissenschaftlicher Beiträge aus der Wissenschaftslandschaft Südosteuropas,
  • Bemühung um Mehrsprachigkeit, besonders seitens nicht-lokaler Forscher:innen.

Auf dieser Seite werden nach und nach alle statischen Seiten in die Sprachen Bosnisch und Englisch übersetzt. Es wird das Ziel verfolgt, einen oder zwei bosnisch-herzegowinische Projektpartner zu gewinnen, die die Seite aktiv in ihrer Primärsprache mitgestalten können. Blogposts werden in der präferierten Sprache der jeweiligen Autor:innen verfasst. Sie können und sollten (idealerweise) übersetzt werden, wobei in diesem Fall aus Gründen der Machbarkeit Übersetzungssoftware (und damit KI) zum Einsatz kommen kann.

Offenheit für Gastbeiträge

Open Science bedeutet, offen für die Beiträge anderer zu sein. Wer daran interessiert ist, mit eigenen Texten, Fotografien oder anderen Materialien beizutragen, ist nach Absprache und Übereinkunft mit dem Projektleiter dazu eingeladen, Beiträge einzureichen, die zu einem der vier Forschungsfelder mit Bezug zur Krivaja passen. Auch theoretische Aufsätze oder Rezensionen sind willkommen, wenn sie Bezüge zu den Forschungsfeldern und -Fragen herstellen können.

Genauer unter: Beitrag einreichen.

Einhaltung wissenschaftlicher Standards

Dieses Projekt bemüht sich darum, wissenschaftliche Standards einzuhalten. Nicht alle Beiträge sind wissenschaftliche Texte, obwohl sie Beiträge der Open Science Prozesses sein können.Es wird eine Unterscheidung getroffen zwischen zwei Kategorien:

A) kurzen, fragmentarischen, skizzehaften Blogposts und Feldnotizen; Veranstaltungshinweise, Tagungsberichte, Übersetzungen aus der Presse;

und

B) ausführlichen / essayistischen / wissenschaftlichen / übersetzten wissenschaftlichen Beiträgen; Interviews, Portraits, etc.

Beiträge aus der Kategorie A) führen nicht immer Referenzen, Fußnoten und wissenschaftliche Standards im weiteren Sinn. Eine Feldnotiz darf etwa persönliche Eindrücke wiedergeben, Gedanke im Stil eines öffentlichen Blogeintrags enthalten, offene Fragen formulieren, die später wieder verworfen oder anders beantwortet werden können.

Bei Beiträgen aus der Kategorie B) wird die Einhaltung wissenschaftlicher Standards vorausgesetzt, ob für eigene oder Gastbeiträge. Gastbeiträge werden grundsätzlich vor Veröffentlichung überprüft und es werden Standards eingefordert, die auf der Seite Beitrag einreichen genauer definiert werden.

Aus Machbarkeitsgründen bedeutet Open Peer Review nicht, dass Beiträge ein double blind Peer Review Verfahren hinter sich bringen. Es sollen aber dieselben Standards verwendet werden, die für die Einreichung von wissenschaftlichen Artikeln bei Fachjournalen oder bei der Präsentation vor einem wissenschaftlichen Kolloquium maßgebend sind.

In jedem Fall, auch für Beiträge aus Kategorie A, müssen Bildrechte und verwendetes Datenmaterial korrekt, nachvollziehbar und überprüfbar zitiert werden. Wenn es zugängliche und überprüfbare Open Source Quellen gibt, sollen diese verknappten Quellen vorgezogen werden, die hinter Barrieren liegen, eine Überprüfbarkeit erschweren und zeitgenössischen Open Access Standards widersprechen.

Jede:r Autor:in publiziert unter Klarnamen und trägt selbst die Verantwortung für die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und für die Korrektheit der angegebenen Daten. Jede:r Autor:in erklärt mit Einsendung eines Beitrags, die Arbeit eigenständig erstellt und die Bild- und Autorenrechte anderer berücksichtigt zu haben.

Creative-Commons-Lizenz

Um größtmögliche Transparenz und Autorenrechte zu gewähren, werden diese Beiträge unter einem oder mehreren Klarnamen auf der Seite www.Krivaja.org veröffentlicht.

Die Gastautor:innen geben ihr Einverständnis, dass die von ihnen gelieferten Inhalte mit dem CC BY Siegel versehen werden.

Das CC BY Siegel bedeutet, dass jeder Beitrag mit Namensnennung des Autors (bzw. Autorin, Autoren) und Verlinkung der Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en online und im Druck weiterverbreitet werden darf (auch für kommerzielle Zwecke, auch in veränderter Form). Beiträge des Open Science Blogs sowie der statischen Seiten werden mit der folgenden oder einer ähnlichen Ergänzung versehen:

Dieser Beitrag von Thomas Schad1bzw. steht hier der Name des/der Autor:in aus dem Open Science Projekt Krivaja – Ein mehr-als-menschliches Gefüge steht unter CC-BY und darf unter den Bedingungen dieser freien Lizenz nachgenutzt werden.

Diese Lizenz wird auch von Wikipedia und vom Redaktionsblog Hypotheses genutzt (außer in Einzelfällen anders vermerkt) und gilt als Gold-Standard von Open Access.

Autorschaft(en) von Monographien oder anderer Publikationen

Die Herausgeberschaft und / oder Autorschaft eines oder mehrerer aus diesem Forschungsprojekt hervorgehenden Monographien, eines Sammelbandes oder anderer Publikationen wie Artikel für Fachjournale ist vorgesehen und erwünscht.

Wenn für Publikationen Materialien veröffentlicht werden, die auf dem Open Science Blog erstveröffentlicht worden sind, müssen der oder die Namen des/der Autor:in des verwendeten Materials sowie der Name des Open Science Blogs und seiner Herausgeberschaft (momentan Dr. Thomas Schad) genannt werden.

Als Erstveröffentlichung gelten auch Übersetzungen bereits in anderen Sprachen zuvor veröffentlichter Beiträge.

KI und andere Herausforderungen

Open Science, Science Blogging, Public History und andere Formen offener Wissenschaft werden von Verteidigern traditioneller Wissenschaftsformate oft kritisch beäugt, denn der Wegfall von Gate Keepers geht zweifellos mit Risiken der Qualitätssicherung einher.

Dazu kommt inzwischen der Faktor Künstliche Intelligenz (KI), der nicht nur Plagiierung viel wahrscheinlicher macht als je zuvor: Science Blogger:innen berichten auch, dass die Sichtbarkeit ihrer eigenen Beiträge seit KI einbricht, weil die produzierten Inhalte durch LLL-Modelle nur noch konsumiert und weiterverarbeitet werden, ohne jedoch die Originalquelle als Link im Ergebnis des Such-Prompts anzuzeigen (vgl. Isabel Steinhardts Beitrag auf de.hypotheses).

Diese und weitere Probleme erfordern politische Lösungen, die hier nicht geleistet werden können.

KI wird vom Autor (bzw. von den Autoren) dieses Forschungsprojekts zwar als Recherchewerkzeug genutzt, nicht aber zur Generierung von Texten. Alle Blogposts und Beiträge werden selbständig verfasst, obwohl sie auf Inhalte referieren können, die nicht über die Recherche in Bibliotheken, Archiven oder „klassische“ Desktop-Recherche auf Suchmaschinen gefunden wurden, sondern das Ergebnis von KI-Prompts sind. In jedem Fall wird aber nur solches Wissen zitiert, das überprüfbar und als eigentliche Quelle des KI-LLL-Models einsehbar ist.

Einen Sonderfall im Umgang mit KI bildet Übersetzungssoftware. In diesem Projekt werden hauptsächlich DeepL und (in geringerem Maß) LibreTranslate genutzt. Übersetzungen mithilfe dieser Software werden durch den Projektleiter überarbeitet. Die Nutzung von DeepL wird an dieser Stelle sowie im Impressum genannt, nicht aber unter jedem Beitrag, der mit Hilfe von DeepL übersetzt und weiterverarbeitet worden ist.

Schutz sensibler und personenbezogener Daten

Dieses Open Science Projekt basiert auch auf sensiblen, personenbezogenen Daten, die über anthropologische und ethnographische Methoden gewonnen werden. Gewaltvolle Ereignisse und Erfahrungen wie der Bosnien-Krieg (1992-1995) stehen zwar nicht im Zentrum der Forschungsfragen, spielen aber eine gewichtige Rolle. Die Tatsache, dass Täter und Opfer in vielen Fällen am Leben sind, verbittet in einigen Fällen die namentliche Nennung der Informatinnen und Informanten.

Auch ethnographische Feldnotizen, die auf diesem Forschungsblog unter der Kategorie Feldnotizen teilweise veröffentlicht werden, sind nicht als hermetisches, geistiges Eigentum zu betrachten: Immer spielt das Wissen anderer Menschen und sozialer Kontexte sowie die Interaktion in ihnen eine Rolle, wie die European Association of Social Anthropologists betont:

These principles highlight how ethnographic research materials – including fieldnotes – are co-produced through relations of trust – between the researcher and her interlocutors – and through the interpretative work of the researcher (Koning et al. 2019: 2). These relations of trust come with implications for the guardianship of ethnographic materials produced within research teams.

https://easaonline.org/guidelines/

In den Feldnotizen sollen deshalb die Leistungen der involvierten Personen nach angemessener Einschätzung erwähnt werden, auch wenn das nicht immer bedeuten muss, diese bei ihren Klarnamen zu nennen. Die Guidelines der European Association of Social Anthropologists, an denen sich dieses Projekt orientiert, können hier genauer nachgelesen werden und dienen als Orientierungsleitfaden.

Nutzung von Open Software

Der Open Science Blog Krivaja ist selbst gehostet. Das Datenzentrum steht in Deutschland. Wie alle weiteren Projekte der Forschungsprojekt-Trilogie Hermannova: Grounded Theory from Berlin and Bosnia werden die Open Software Programme WordPress, Libre Office und Zotero verwendet. Einreichungen von Beiträgen können auch über proprietäre Software erfolgen, solange diese konvertibel mit Libre Office ist.

Moderierte Kommentarfunktion

Der Science Blog beinhaltet eine Kommentarfunktion, die von Leser:innen und anderen Autor:innen genutzt werden kann. Aus Sicherheitsgründen wird die Kommentarfunktion vom Projektleiter moderiert.

Social Media Plattformen

In Bearbeitung.

Referenzen