Die Gesellschaft an der Krivaja kann als erprobte Differenzgemeinschaft bezeichnet werden. Die Koexistenz einzelner Bevölkerungsgruppen ist hier historisch gewachsen: Hier leben Muslime/Bosniaken, Katholiken/Kroaten, Orthodoxe/Serben, Roma und andere. Einerseits grenzen sich diese Gruppen voneinander ab und verstehen sich als separate Gemeinschaften, deren Eigenheiten sich über die jeweiligen religiösen und spirituellen Praktiken, das Brauchtum, die Namensgebung und die Kleidung ausdrücken.

Trotz der Unterschiede haben sich an der Krivaja immer wieder neue Formen der Kommunikation, der Zusammenarbeit, des Gemeinsinns und der Nachbarschaft (komšiluk) gebildet. Das Verbindende und Gemeinsame, das die Krivaja-Bewohner im Bereich der Sprache, der Alltagskultur und der Erinnerungen teilen, ist für das Zusammenleben ebenso charakteristisch.

Sehr viele Ortschaften haben durch Abwanderung mehr als zwei Drittel der Einwohner im Vergleich zum letzten Vorkriegszensus von 1991 verloren. Diese Menschen bilden die Diaspora, die sich auf Länder wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich sowie die Nachbarländer Kroatien, Serbien und andere Länder verteilen. Dadurch hat sich auch das Altersprofil vieler Ortschaften stark verändert.

In gegenwärtigen Konflikten um die Ressourcenausbeutung werden diese demographischen Veränderungen als wesentlicher Faktor der Vulnerabilität wahrgenommen: Viele Menschen, die sich in politische Entscheidungsprozesse einbringen könnten, sind in dieser beschädigten Sozialgeographie nicht anwesend.